Champions League-Finale 2013: BVB 1 - 2 FCB

Triumph des Willens

Im ersten deutschen Champions League-Finale der Geschichte erweisen sich zwei große Teams der historischen Stunde würdig. Das Spiel der Spiele überzeugt: spielerisch, kämpferisch, emotional und nicht zuletzt dramaturgisch.

 

Rise_Of_The_Phoenix

Der Phoenix. Phoenix Park, Dublin, Ireland.

 

Wir können uns schwerlich vorstellen wie es sich anfühlt. Den Fluch zweier verlorener Finals im Hinterkopf, holt das Schicksal einen abermals ein. Schon wieder ein später Ausgleich und dann kratzt Subotic auch noch den sicheren Siegestreffer von der Linie. Kommen da die Bilder des Scheiterns wieder in den Kopf? Sehen sich Schweinsteiger und Robben wieder am Elfmeterpunkt? Beginnt man zu glauben gegen das Schicksal könne man nicht an? Fürchtet man sich gar?

 

 

Die Gefühle, der Abwärtsstrudel sind real und für wenige Minuten ist man auch beeindruckt und flirtet mit dem Untergang. Dann jedoch triumphiert der Wille. Das Kollektiv reißt sich zusammen, beschließt, dass nicht sein kann, was nicht sein darf und erhöht nochmal den Einsatz. Das größte Tempo wird noch einmal angezogen. Bayern fährt wütende Attacken und schnürt den Gegner ein. Alle sind zum äußersten bereit. Jeder wächst in dieser Phase über sich hinaus. Martinez, Schweinsteiger, Ribery und Robben weigern sich noch einmal zu versagen. Dortmund wehrt sich tapfer, sieht aber wenig Land gegen die Urgewalt.

 

Dann schlägt Bayern zu. Einen hohen Ball über die Mitte behauptet mit großem Einsatz und Geschick der wild kämpfende Ribery, dann mit dem Anflug des Genialen steckt er ihn durch zum heranrauschenden Robben. Genau ins Herz geht dieser Stich. Robben erschafft sich den nötigen Raum, tendelt, einbeinig kurz rechts, links, Weidenfeller springt heran, doch Robben verlädt ihn mit großer Klarheit und Ruhe am höchsten Punkt seiner Karriere und schiebt ein.

 

Die silberne Generation krönt sich also doch. Die alte Garde des neuen deutschen Fußballwunders vermag es schließlich, sich im Erfolg zu verewigen. Und wir müssen es ihnen einfach gönnen. Schweinsteiger spricht im Nachgang von einem Traum, der in Erfüllung geht. Und doch ist es vor allem eher ein Albtraum, der endlich sein Ende gefunden hat. Bayern München, die unbestritten stärkste Mannschaft dieses Jahres triumphiert durch schiere Willenskraft. Dass man es vermochte sich in diese Sphären hochzupeitschen, verdankt man aber nicht zuletzt auch dem Gegner, der einem eben alles und noch mehr abverlangt hat. In diesem Sinne hat der deutsche Fußball gerade auch den Dortmundern besonders viel zu verdanken. Wehe dem, der diesen beiden Siegern zugleich gegenübertreten muss. Die Weltmeisterschaft 2014 jedenfalls hat jetzt schon ihren Favoriten.

 

 

Kommentare

Ein Kommentar zu “Triumph des Willens
  1. […] präsentiert seine “Finalgedanken” aus Sicht eines neutralen Fußball-Fans. Einen “Triumph des Willens” sieht die […]