Champions-League-Finale 2012

Die silberne Generation

Die Bitterkeit großer Niederlagen spürt man erst am folgenden Morgen in ihrem größten Ausmaß. Heute ist es wieder einmal so weit. Die Bayern hatten gut gespielt, den Gegner kontrolliert, drei Mal fast schon alles klar gemacht und dennoch verloren.

Chelsea war jeweils nicht erstarkt, sondern wurde durch zögerliche Bayern am Leben erhalten. Gefehlt hat vor allem die wichtigste Eigenschaft, die ein Sieger braucht: Mut. Der FC Bayern begann schwungvoll und erarbeitete sich ein großes Übergewicht an Ballbesitz und Ecken, konnte die zwei defensiven Viererketten der Londoner aber nur selten gefährden. Die zweite Halbzeit nahm einen ähnlichen Verlauf, bis dann Müller nach Flanke Kroos in der 83. Minute den Ball an Cech vorbei ins Tor köpfte. Bayern sah zum ersten Mal an diesem Abend wie der verdiente Sieger aus. Dann allerdings verließ die Mannschaft zum ersten Mal die nötige Kühnheit, als Heynckes ausgerechnet den Torschützen auswechselte, um mit van Buyten auf die vermeintliche Sicherheit zu setzen. Dieser konnte allerdings nicht verhindern, dass Drogba mit der ersten englischen Ecke des Spiels in der 88. Minute den tragischen Verlauf des Abends einleitete.

 

In der Verlängerung war das Spiel ausgeglichener, was auch mit den defensiven Wechseln der Münchner und den offensiven Chelseas zusammenhing. Der von Robben verschossene Elfmeter in der 95. Minute war dann gleich in zwei Hinsichten sehr fragwürdig. Warum schießt ein Spieler, der von den zwei großen Elfmetern der Saison nur einen verwandelte und der sich im Halbfinale nicht einmal getraut hatte, beim Elfmeterschießen anzutreten? Und warum kann ein Führungsspieler vom Schlage Schweinsteigers dabei nicht einmal zusehen? Der Elfmeter war zögerlich geschossen, ging vorbei und mit Schweinsteigers Verhalten waren Signale gesandt worden, die später im Elfmeterschießen wiederum zum Tragen kamen. Die zweite Chance für den Sieg war vertan. Vor dem Elfmeterschießen schließlich, hatte sich das psychologische Blatt gewandelt. Chelsea trat der Aufgabe entschlossener entgegen und verwandelte bis auf den ersten, alle folgenden Schüsse in einer bemerkenswert klaren Manier. Der FCB, obgleich er zum dritten Mal vorne gelegen hatte, scheiterte an seinen Nerven und es überraschte kaum, dass Schweinsteiger verschoss, nachdem man die Episode bei Robbens Elfmeter gesehen hatte. Seine Verzögerung ließ zum letzten Mal den Mangel an Kühnheit offenkundig werden, der die Bayern in diesem Finale den Sieg gekostet hatte.

 

Dritter 2006, Zweiter 2008, Dritter 2010, Zweiter im Champions-League-Finale 2010 und nun gestern 2012. Diese Generation deutscher Nationalspieler hat Schwierigkeiten dann alles abzurufen, wenn es wirklich darauf ankommt. Es fehlen Mut und Fortune. Vielleicht ist es an der Zeit bei der nahenden Europameisterschaft eine neue Generation stärker zu fordern, eine die stärker von Dortmunder Spielern geprägt ist. Möge es eine Goldene sein.

 

Kommentare

5 Kommentare zu “Die silberne Generation
  1. Jonathan Dietrich sagt:

    Der Frust der nach dieser Begegnung an den Spielern nagt, kann in’s Positive umschlagen, wenn sie daraus die Konsequenz ziehen in der EM verbissener um den nächsten Titel zu kämpfen. Anstatt zwar selbstbewusst aber mit einem Champions-League-Titel gewissermaßen auch gesättigt, sollten sie jetzt wie hungrige Hunde auf den Titel loshetzen. Eine Chance auf Gold kann man ihnen im Nationaltrikot noch lassen.

  2. Ludwig Zeller sagt:

    Ich vertraue darauf, daß diese Spieler die Erlebnisse des verlorenen Finales unter Löwscher Führung schnell vergessen werden!

  3. Fußballgott sagt:

    Aus Frustration erwächst neuer Ehrgeiz! Löw hat es vor zwei Jahren geschafft, eine hervorragend harmonierende Mannschaft zu formen und er wird es wieder tun. Bei der EM erkämpft sich die silberne Generation dann endlich ihre Krone, ein Drogba spielt nicht mit!

  4. […] gar verkniffen; er schien nichts mehr gewinnen, nur noch verlieren zu können. Er rannte an und “seine Verzögerung ließ zum letzten Mal den Mangel an Kühnheit offenkundig werden, der die … Er und seine Mannschaft waren im Champions League-Finale zuhause kläglich […]

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